Regie und Produktion    Anmerkungen der Regie

Eva Danzl, Regie und Produktion

 

Die Faszination Visuelles entstehen zu lassen, selbst dokumentarisch zu filmen, verwirkliche ich erst wenige Jahre.

 

Hauptberuflich bin ich seit 1996 in der FIZ Fachstelle Frauenhandel und Frauenmigration, für Migrantinnen in prekären Situationen und für Opfer von Frauenhandel tätig.

In der EB Zürich, kantonale Berufschule für Weiterbildung, belegte ich von 2007-2010 mehrere Module zu Filmsprache, Schnitt, Dokumentarfilm und absolvierte von 2011-2013 den neuen Bildungsgang Video mit einem Diplom.

 

Die Essenz beider Tätigkeiten, die Arbeit in einer NGO wie auch persönliche politische Engagements mit einer visuellen Auseinandersetzung - die Kreativität  also mit Fragestellungen des Lebens zu verbinden:  das ist es, was mich interessiert.  Die grundsätzlichen Fragen des Lebens, das Individuum im übergeordneten Kontext,  bildlich umzusetzen.

 

Mit anderen Worten: die politischen, sozialen und menschenrechtlichen Aspekte unseres Daseins, wenn möglich mit einer Prise Poesie und Humor, darstellen zu versuchen und Geschichten zu erzählen.

 

Márcio Jerônimo, Co Produktion

 

ist seit vielen Jahren im Videobereich tätig. In Rio de Janeiro war er 1991-2003 Koordinator in der Organisation CCAP, Rio de Janeiro,  für das Projekt „aTreVer“, ein audiovisuelles Projekt mit Jugendlichen in prekären Situationen in der Favela.

2002-2004 Produktionsleiter von Videofilmfiktionen im Fach Kunst im staatlichen College Prof. Clovis Monteiro, Rio de Janeiro. 

 

Seit 2005 in der Schweiz produzierte er mehrere kleine Dokumentationen im sozialpolitischen Bereich, unter anderem: „heranca negra“ für das brasilianische Kulturzentrum CEBRAC in Zürich, 2012, Kamera und Schnitt für „Festival de los Espejos“, Produktion Rebelarte 2006, “Trommeln für den Amazonas” (Kurzdokumentation für Greenpeace, 2012), sowie bei Job TV www.chreisgleis.tv

 

Der Dokumentarfilm „Zwischen Mauern und Favelas“, Regie: S. Dzeik, Marcio Jeronimo, K. Wagenschein, wurde im 2005 im ethnographischen Filmfestival Rio de Janeiro als bester Dokumentarfilm mittlerer Länge ausgezeichnet.

 

Anmerkungen der Regie

 

Auslöser, einen Film mit Rubén zu drehen, war der Tod meiner Mutter und meines Bruders im 2003/2004. Ich hatte Rubén bereits als Jugendliche im kleinen Städtchen Sargans über meine Eltern kennengelernt. Er war - wie auch meine Eltern - aktiv in der regionalen Amnesty International Gruppe Sarganserland und war ausserdem der Mann meiner damaligen Französischlehrerin.

Nur: als junge Erwachsene suchte ich in jener Zeit nicht unbedingt die Nähe zu ehemaligen Dozenten und Dozentinnen des Gymnasiums, ich war vielmehr auf der Suche nach eigenen Wegen, hinaus in die Welt. Somit war Rubén vorerst ein Teil der Geschichte meiner Eltern.

 

Meine Eltern, mein Vater aus Österreich, meine Mutter aus der Niederlande, waren in den 50- er Jahren in die Schweiz migriert – eine Migration in einer Aufbruchszeit, mit der Hoffnung eines Neuanfangs.

Und wie bei jeder Migration waren auch ihre Gefühle zwiespältig: einerseits fanden sie Schritt für Schritt ihren Platz in der hiesigen Gemeinschaft, es entstanden neue Freundschaften und sie lebten ihr menschenrechtliches Engagement, anderseits fühlten sie sich als Fremde.

 

Die Zeit der Schwarzenbachinitiative (1970) ist mir heute noch sehr präsent: anonyme Briefe erreichten uns, wir hätten hier nichts zu suchen, kaltblütige Aufforderungen, wir sollten die Schweiz verlassen, man würde dafür sorgen, dass mein Vater seine Stelle als Sekundarschullehrer verlieren würde. Ähnliche Äusserungen, die wir – mein Bruder und ich – auch in der Schule zu hören bekamen.

 

So erlebte ich meine Kind- und Jugendzeit innerlich zerrissen: ich liebte zwar die Gassen des Dörfchens, den Wald und die Rebstöcke, aber mein Herz war mehr meiner niederländischen weltoffenen Familie zugewandt - und - was mich besonders prägte: die Flüchtlinge, die ich im Hause meiner Eltern antraf, kamen aus der ganzen Welt: Iran, Polen, Pakistan, Afghanistan...

 

Es ist in diesem Kontext zu sehen, dass ich jahrelang auf Reisen war, in Europa, in Afrika und Asien, und meine persönlichen und beruflichen Aktivitäten immer mit Migration zu tun hatten und noch heute haben, sei es beim Aufbau einer lateinamerikanischen Frauensendung im Radio Lora, sei es in politischen Bewegungen wie die zapatistische Bewegung, Strukturen zur Situation der Sans Papiers oder in der FIZ Fachstelle Frauenhandel und Frauenmigration.

 

Als 2003 mein Bruder und kurz darauf meine Mutter starben,  traf ich Rubén nach Jahren wieder anlässlich der Begräbnisse: so begann unsere Freundschaft und die gemeinsame Auseinandersetzung über Migration, das Leben im Exil und über die letztendlich unlösbare Frage, weshalb Mensch foltert.

 

  Nächtelang sassen wir zusammen: Rubén, die Verbindung zu meiner Jugendzeit, mein Partner Márcio Jerônimo, afrobrasilianischer Aktivist und Filmemacher, meine Freundin Patricia aus Uruguay, die über die Liebe in die Schweiz gekommen war und ich: jede und jeder mit ihrer und seiner eigenen Migration- und Lebensgeschichte.

 

Die Idee, Rubéns Geschichte in einem Dokumentarfilm darzustellen, begann Gestalt anzunehmen.

 

 

 

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